Die Jahresversammlung des Sächsischen Museumsbundes mit Mitgliederversammlung und Jahrestagung fand vom 7. bis 9. März 2026 in Zittau statt. Hier ein Bericht dazu:
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1. Tag
1. Block: Museen der Region
Am Samstag, 7.3., am frühen Nachmittag, stellten vier Museen der Region in Kurzvorträgen ihre Arbeit vor. Ort der Veranstaltung wie auch der sich anschließenden Mitgliederversammlung war der Bürgersaal im Zittauer Rathaus.


Aufgrund der aktuell sehr schwierigen Verkehrssituation in Dresden-Cotta verpasste ich meinen Zug nach Zittau und damit den ersten Vortrag „Zwischen Alltag und Zukunftsvision“ von Hannah Knittel vom Stadtmuseum Löbau, der mich sehr interessiert hätte. Soweit ich Berichte über diesen Vortag im Nachhinein verstanden habe, ging es in ihm eher um den Alltag der Museumsarbeit als die Geschichte des Alltags. Andererseits wurde in den folgenden Tagen auch berichtet, dass das Museum in Löbau außerordentlich sehenswert ist, so dass ein Besuch dort auf meiner To-Do-Liste weit oben steht.
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Auch vom zweiten Vortrag, „Das Deutsche Damast- und Frottiermuseum Großschönau. Phänomene der Textilherstellung“ von der Leiterin des Museums, Evelyn Schweynoch, bekam ich leider nur die letzten Sätze mit. Immerhin war dieses Museum auch Gegenstand eines Vortrages bei der Jahrestagung am folgenden Montag.
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Der dritte Vortrag hieß „Wie weiter in Herrnhut?“ und wurde gehalten von dem neu in sein Amt gekommenen Direktor der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen innerhalb der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Lars-Christian Koch. Zu diesen gehören die Völkerkundemuseen in Leipzig (Grassimuseum), Dresden und eben Herrnhut. Es wurde deutlich, dass das Museum in Herrnhut gleichermaßen ein Museum der Herrnhuter Brüdergemeine und ihrem Wirken als auch der Völkerkunde ist. Lars-Christian Koch betonte u. a., dass das Museum in seiner Arbeit von der Sammlung ausgehen will. Ein weiterer von ihm vertretener Grundsatz war, dass die Objekte in den Sammlungen bei ihrem Erwerb zu bestimmten Menschen gehörten und auch heute noch gehören. Damit sprach er einen spannenden Aspekt von Museumsarbeit an.
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Der letzte Vortrag in diesem Block wurde vom Direktor des Kulturhistorischen Museums Görlitz, Jasper von Richthofen, gehalten und widmete sich dem Thema der gerade zu Ende gegangenen Ausstellung „Nationalsozialismus in Görlitz, 80 Jahre nach Kriegsende“. Diese Ausstellung hatte es sich zum Ziel genommen, nicht die beiden Extreme der nationalsozialistischen Herrschaft, die Situation der Opfer und die Position der Täter, zu fokussieren, sondern die „graue Masse in der Mitte“ der Gesellschaft in den Blick zu nehmen, ein Aspekt, der auch im HausBoden große Bedeutung hat. Spannend fand ich den Themenbereich „Nationalsozialismus nach 1945“, der in Görlitz offenabr auch angesprochen wurde.
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2. Block: Rundgang durch die städtischen Museen Zittau
Am späten Nachmittag konnte zwischen einer Führung durch die Sonderausstellung der Städtischen Museen Zittau „Das Lausitzer Gebirge. Kunst und Natur“ (inzwischen ebenfalls beendet) oder durch die Dauerausstellung des im ehemaligen Franziskanerkloster untergebrachten Kulturhistorischen Museums gewählt werden. Ich entschied mich für letzteres.
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Die wohl bedeutendsten Objekte in der Sammlung des Zittauer Museums sind zwei Fastentücher, ein großes und ein kleineres. Das große ist nicht im Museum selbst, sondern in der eigens für diesen Zweck hergerichteten Kirche zum Heiligen Kreuz ausgestellt. Es handelt sich um eine beeindruckend große mittelalterliche Textilie:



Das kleinere hat im Museum einen eigenen Raum und stellt eine Kuriosität dar, da es in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und damit nach der Reformation hergestellt wurde, durch die der Brauch der Fastentücher eigentlich abgeschafft wurde:



Das Museum ist im ehemaligen Franziskaner Kloster mit der später von der Stadt genutzten Kirche und dem so genannten Hefterbau untergebracht:




Eine historische Fotografie des Hefterbaus findet sich übrigens auch im Nachlass von Hilde Müller (Bewohnerin des HausBoden):

Baulich bemerkenswert ist am Museum Zittau auch sein grüner Hof, der sich an der Stelle des ehemaligen Doppelkreuzgangs bzw. eines dort später eingerichteten Begräbnisplatzes befindet:







In einem der barocken Grabmäler befindet sich eine anmutige Hermesfigur:




An manchen Stellen des Museumsrundgangs hatte ich den Eindruck, dass es quasi auch eine Art „Gewölbemuseum“ ist:

In einem Raum finden sich historische Wandfassungen, ein Phänomen, das wir im HausBoden ja durchaus auch kennen – wenn auch nicht kunsthistorisch so hochkarätig:



Ein unbedingtes Highlight aus Sicht des HausBoden konnte ich in dieser Vitrine entdecken:



Zum Museumsrundgang gehört außerdem eine im städtischen Kontext seltene umfangreiche Waffensammlung:

sowie eine begehbare Schausammlung:


Bedeutend ist aber insbesondere die am Originalstandort, einem eigens für diesen Zweck geschaffenen barocken Saal, vorhandene Wunderkammer:


in der sich dieser u. a. der „Große Luchs von Waltersdorf“, Zittau 1704, findet:


