3. Tag
Jahrestagung
Am Montag, 9.3., fand dann die Jahrestagung zum Thema „Analog oder digital – wieviel Digitalisierung braucht eine Ausstellung?“ mit insgesamt sechs Vorträgen und sich anschließenden Diskussionsrunden statt, wieder im Bürgersaal des Zittauer Rathauses. Die Veranstaltung war damit einem in letzter Zeit vielbeachteten, von mir aber bisweilen auch skeptisch aufgefassten Thema gewidmet. Den Begrüßungen durch die Vorsitzende des Sächsischen Museumsbundes, Friederike Koch-Heinrichs, den Oberbürgermister der Stadt Zittau, Thomas Zenker, sowie einer Vertreterin der Sächsischen Staatsministerin für Kultur und Tourismus schloss sich als erstes ein Impulsreferat von Kurt Winkler an, das einen Überblick zur Entwicklung der Inszenierung und Vermittlungsmöglichkeiten in Ausstellungen gab. Er verwies dabei u. a. auf die Erkenntnis, dass Museen in der Gesellschaft ein großes Vertrauenskapital haben und formulierte die griffige Aussage, dass sie nicht Hüter der Wahrheit, aber Garanten der Wirklichkeit sind.
_
Danach folgte eine Podiumsdiskussion, an der neben dem Referenten, als Moderator der Leiter der Städtischen Museen Zittau, Peter Knüvener, die Leiterin der Abteilung Museum des Senkenberg Museums für Naturkunde Görlitz, Kristin Baber, die Schlossleiterin Augustusburg, Scharfenstein und Lichtenwalde, Patrizia Meyn und der Bereichsleiter Museen der Schlösser, Burgen & Gärten Sachsen, Dirk Welich, teilnahmen.
_
Im Rahmen der Podiumsdiskussion wurde u. a. an einer Stelle auch die große Bedeutung von KI betont. Es handele sich dabei um eine umfassende und wirkmächtige Entwicklung, der wir uns alle nicht entziehen können. Das wird wahrscheinlich richtig sein. Die Dramatik, die in diesem Diktum steckt, halte ich aber nicht immer für zielführend. Denn neben aller KI oder Digitalisierung wird es immer, und gerade auch in Museen, eine materielle, analoge Realität geben, der wir uns widmen müssen und wollen. Wenn z. B. im HausBoden das Dach kaputt ist, wird es wohl nie durch eine KI repariert werden. Digitale Mittel werden höchstens am Rande eine Rolle spielen und mitunter auch durchaus entbehrlich sein.
_
Vereinzelt weckten Beiträge der Diskussion den Eindruck, dass digitale Virtualität mit Realität verwechselt wurde. So eröffnen VR-Brillen natürlich nicht die Möglichkeit, eine dargestellte Sache zu erleben, sondern schaffen nur die Illusion oder den Eindruck davon. Auch ist der Einsatz von digitalen Mitteln durchaus nicht notwendig, ein authentisches Objekt oder einen authentischen Ort zu vermitteln. Für diesen Gedanken erwies sich gerade der Besuch des Schlosses Friedland am Vortag mit seiner ganz und gar nicht inszenierten aber außerordentlich eindrucksvollen Präsentation von Gefängniszellen als erkenntnisfördernd. (Diese Zellen befinden sich im Inneren des Burgturmes.)
_
Aus dem Publikum wurde die Frage nach der Nachhaltigkeit der präsentierten digitalen Mittel gestellt und diese verbunden mit der Bemerkung, dass die angeführten Beispiele auch einen erheblichen Druck auf die anderen, zum großen Teil ja viel kleineren Museen ausüben. In der sich daran anschließenden Antwort-Diskussion waren zwei Aussagen sehr bemerkenswert: Zum einen das Statement, heute derartige Ausstellungsformate nicht mehr umsetzen zu wollen, zum anderen der deutliche Appell, dass Museen nicht auf den Erlebnisfaktor eingehen dürfen sondern sich auf die Vermittlung von Kultur konzentrieren müssen.
_
Nach der Mittagspause (zu der es ein wirklich hervorragendes Buffet von Zittau Vegan gab) wurden unter der Moderation von Jasper von Richthofen drei Praxisbeispiele vorgestellt:
„Analog oder digital – Wie viel filmische Präsentation historischer Technik verträgt ein Museum?“ über die digitalen Ausstellungsmittel des Deutschen Damast- und Frottiermuseums in Großschönau von Evelyn Schweynoch,
„Das Digitale als Brücke zum Objekt in der Basis-Ausstellung der Puppentheatersammlung Dresden“ über ein digitales Vermittlungsformat durch die Ausstellung von Kathi Loch
und
„Das Max-Pechstein-Museum stellt sich neu auf: Vom ‚A und O‘, dem ‚Analogen Original‘, über ‚I‘ wie ‚Immersiv‘ bis ‚Z‘ wie ‚Zwickau‘“ über das sanierungsbedingte Interim des Museums von Annika Weise (Kunstsammlungen Zwickau, Max-Pechstein-Museum).
_
Der Nachmittag nach einer letzten Kaffeepause stellte unter der Moderation von Peter Plaßmeyer zwei weitere Beispiele vor:
„Immer noch zu viel Technik? – Ein Erfahrungsbericht aus den ersten Monaten mit der neuen Dauerausstellung ‚Kuhstall und Silberteller‘“ von Sabine Peinelt (Schloss Ramenau)
und
„Das ‚glühende Kohlestück‘ – ein gamifizierter Rundgang durch die KohleWelt“ von Luisa Heilmann (KohleWelt Oelsnitz/E.)
Eine kurze Fragerunde bildete den Abschluss der Veranstaltung.
_
Einer der wichtigsten Aspekte dieser Zusammenkünfte sind die Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Häusern. Dieses Jahr hatte ich Gelegenheit zum Austausch mit
– dem Bergbau-Technikpark im Leipziger Neuseenland
– der Domschatzkammer St. Petri in Bautzen
– dem Deutschen Stuhlbaumuseum Rabenau
– dem Volkskunde- und Mühlenmuseum Waltersdorf
– dem Lügenmuseum in Radebeul
– der Energiefabrik Knappenrode
– dem Kulturhistorischen Museum Wurzen
– dem Stadtmuseum Dresden
– der Puppentheatersammlung Dresden
– der Landesstelle für Museumswesen
– der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig
– den Technischen Sammlungen Dresden
– dem Stadtmuseum Meißen
– den Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg
– dem Erzgebirgsmuseum in Annaberg
– dem Robert-Sterl-Haus in Struppen.
_
Wie eingangs bereits angedeutet, hatte ich mich dazu entschlossen, in Dresden zu wohnen und an den drei Tagen nach Zittau zu pendeln. Dadurch hatte ich, abgesehen von den fahrplanmäßigen Unsicherheiten, das Vergnügen der Anreise, die landschaftlich sehr reizvoll ist:

Am letzten Abend fuhr ich dann außerdem mit der Bahn nach Berlin, und insbesondere der Abschnitt von Zittau nach Görlitz ist geradezu spektakulär. Und auch die Stadt Zittau selbst, die ich nur bei kurzen Fußgängen erkunden konnte, ist sehr beeindruckend – baulich auf jeden Fall eine prächtige Stadt, die außerdem mit einem touristisch-historischen Kleinod aufwartet: der Schmalspurbahn ins Zittauer Gebirge.



