Dringend nötig ist an dieser Stelle noch ein Bericht über die Führung für Blinde und Sehbehinderte, die am 29. Mai stattgefunden hat und viel Spaß gemacht hat.
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Gekommen war eine kleine, gut gelaunte Gruppe von insgesamt sieben Personen. Zwei Personen konnten gar nicht sehen, zwei stark eingeschränkt. Die übrigen waren Begleitpersonen.
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Natürlich sind wir wie gewohnt durch die historische Wohnung gegangen, und Christian und ich haben erzählt, was es zu erzählen gibt. Hinterher dachte ich mir: Das war auch nicht anders als sonst. Und da fiel mir auf: Weil die Besuchergruppen bei uns ja immer sehr klein sind und die Besichtigung außerdem nur in Führungen möglich ist, gehen wir auch immer auf die konkreten Personen ein. Deren Interessen, Bedürfnisse und Eigentümlichkeiten sind immer sowohl gleich als auch verschieden: Alle wollen wissen, was es zu sehen und zu erfahren gibt, haben das Bedürfnis, über eigene Gedanken zu reden, und bewegen sich neugierig und respektvoll durch die Räume – alles aber natürlich in einer individuellen Ausprägung. Da machen Blinde und Sehbehinderte keinen Unterschied.
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Interessant für mich war auch folgende Erfahrung: Bei blinden Menschen ist mir dieser Umstand immer bewusst, da ich ihn optisch wahrnehme. Daher bemühe ich mich, ihnen die örtliche Situation zu beschreiben und biete ihnen aktiv Möglichkeiten an, etwas anzufassen. Bei Menschen mit einer Sehbehinderung vergesse ich den Umstand gelegentlich, insbesondere, wenn ich auf den Ablauf der Führung konzentriert bin. Dann wundere ich mich u. U., wenn sie nicht so agieren, wie ich es vielleicht erwarte. Hier habe ich gelernt, aufmerksamer zu sein.
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Lydia Hänsel vom Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen, mit der zusammen wir die Veranstaltung organisiert haben, hat im Anschluss einen Bericht darüber verfasst (erschienen in der Juli-Ausgabe der Dresdner Notizen). Darin fand sie ein paar sehr schöne Formulierungen für ihr Erleben im HausBoden. Sie schreibt: Alle „Räume und Gegenstände sind wie konserviert und geleiten uns durch das 20. Jahrhundert.“ Und weiter: „Man kann die Wohnung wie in einem Kreis durchwandern.“ Ihren Besuch bei uns hat sie als einen Traum wahrgenommen, einen Traum „von alten Erinnerungen an glückliche Kindheitstage bei meiner Oma.“ Erlebt hat sie den „Geruch, wenn man den Flur betritt“, das „Meißner Porzellan, das wir vorsichtig bewundern durften“, die „vielen, vielen Kleider“ und das „überall eingestickte Namensemblem“.
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Im Anschluss an den Rundgang haben wir uns alle zusammen in den Garten gesetzt und bei Kaffee und Kuchen „noch eine Weile weiter von alten Erinnerungen, die durch die Gegenstände in der Wohnung neu wachgerufen wurden“ erzählt.
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Ein Aspekt ist natürlich im Zusammenhang mit „Besichtigungen“ durch blinde Menschen von besonderer Bedeutung: Das Anfassen. Dies ist zugleich ein für Museen sehr heikler Punkt, da er konservatorische Fragen zu den betreffenden Objekten anspricht. Sinnvoller Weise wird es grundsätzlich vermieden, dass Besucherinnen und Besucher die Objekte in einem Museum anfassen. Aber die Gefährdung ist je nach Materialart der Objekte auch sehr unterschiedlich ausgeprägt. Sie ist sehr groß im Falle etwa von Textilien und Papier, sie ist ziemlich klein etwa bei Porzellan. Dies berücksichtigend muss stets große Vorsicht beachtet werden. Blinde Menschen sind es aber auch gewohnt, Dinge sehr vorsichtig anzufassen. Und allen anderen, etwa auch Kindern, kann bei dieser Gelegenheit vermittelt werden, wie wichtig Vorsicht ist, eine Kenntnis, die ja nicht nur im Museum nützlich ist.
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In Zukunft wollen wir das Angebot wiederholen. Ein neuer Termin wird zusammen mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband geplant, vermutlich gegen Ende Oktober. Interessierte können sich aber auch darüber hinaus bei uns melden. Außerdem können Blinde und Sehbehinderte immer an allen unseren Veranstaltungen teilnehmen.
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Und sobald wir dazu kommen, wollen wir auch einmal das Experiment versuchen, dass eine blinde Person das HausBoden ohne Führung (wenn auch ggf. mit Begleitung) besichtigt. Motte: „Was gibt es im Museum wirklich zu sehen?“ oder „Blinde öffnen die Augen (der Sehenden)“.
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Hier noch ein paar Fotos, die bei dieser Gelegenheit entstanden sind:
















